HIMMEL – 乾為天

為天、為圜、為君、為父、為玉、為金、為寒、為冰、為大赤、為良馬、為老馬、為瘠馬、為駁馬、為木果。

DAS SCHÖPFERISCHE ist der HIMMEL, ist rund, ist der Fürst, ist der Vater, ist der Nephrit, ist das Metall, ist die Kälte, ist das Eis, ist das Tiefrote, ist ein gutes Pferd, ist ein altes Pferd, ist ein mageres Pferd, ist ein wildes Pferd, ist das Baumobst.

Die meisten der Symbole ergeben sich von selbst. Der Nephrit ist das Symbol der fleckenlosen Reinheit und der Festigkeit, ebenso das Metall. Kälte und Eis ergeben sich aus der Stellung des Zeichens im Nordwesten. Das Tiefrote ist die gesteigerte Farbe des Lichten (im Text ist schwarzblau die Farbe des Schöpferischen entsprechend der Farbe des Himmels). Die verschiedenen Pferde deuten auf Kraft, Dauer, Festigkeit, Stärke (das wilde Pferd ist ein mythisches Tier mit Sägezähnen, das selbst einen Tiger zerbeißen kann). Das Obst ist das Symbol der Dauer im Wechsel.
Zusätze späterer Kommentare: ist gerade, ist der Drache, ist das Obergewand, ist das Wort.¹,²


¹ zu HIMMEL und ERDE siehe 1.Mos. 1.1, Ausstrahlungen des Geistes

² §11, s.255 I-Ging – 易經, Das Buch der Wandlungen“, aus dem Chinesischen übertragen und erläutert von Richard Wilhelm, 1976 (1916) Eugen Diederichs Verlag ISBN 3-424-00061-2


乾 1. Kiën – Das Schöpferische

乾為天
乾上      乾下

oben Kiën, das Schöpferische, der Himmel

unten Kiën, das Schöpferische, der Himmel

Das Zeichen besteht aus sechs ungeteilten Strichen. Die ungeteilten Striche entsprechen der lichten, starken, geistigen, tätigen Urkraft. Das Zeichen ist ganz einheitlich stark in seiner Natur. Da ihm keinerlei Schwäche anhaftet, ist es seiner Eigenschaft nach die Kraft. Sein Bild ist der Himmel. Die Kraft wird dargestellt als nicht gebunden an bestimmte räumliche Verhältnisse. Darum wird sie aufgefaßt als Bewegung. Als Grundlage dieser Bewegung kommt die Zeit in Betracht. So ist denn auch die Macht der Zeit und die Macht des Beharrens in der Zeit, die Dauer, in dem Zeichen begriffen.
Bei der Erklärung des Zeichens ist durchgehend eine doppelte Deutung zu berücksichtigen: die makrokosmische und die Wirkung in der Menschenwelt. Auf das Weltgeschehen angewandt ist in dem Zeichen das starke schöpferische Wirken der Gottheit ausgedrückt. Auf die Menschenwelt angewandt bezeichnet es das schöpferische Wirken des Heiligen und Weisen, des Herrschers und Führers der Menschen, der ihr höheres Wesen durch seine Kraft weckt und entwickelt.*

DAS URTEIL

乾‧元‧亨‧利‧貞‧

Das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen,
fördernd durch Beharrlichkeit.

彖曰: 大哉乾元,萬物資始,乃統天。雲行雨施,品物流形。大明始終,六位時成,時乘六龍以御天。乾道變化,各正性命,保合大和,乃利貞。首出庶物,萬國咸寧。

Dem ursprünglichen Sinne nach gehören die Eigenschaften paarweise zusammen. Für den, der dies Orakel gewinnt, bedeutet das, daß ihm Gelingen aus den Urtiefen des Weltgeschehens zuteil werden wird und daß alles darauf ankommt, daß er allein durch Beharrlichkeit im Rechten sein und anderer Glück sucht.
Sehr früh hat sich das Nachdenken den vier Eigenschaften in ihrer Sonderbedeutung zugewandt. Das chinesische Wort, das mit „erhaben“ wiedergegeben ist bedeutet „Haupt, Ursprung, groß“. Darum heißt es in der Erklärung des Kungtse: „Groß wahrlich ist die Ursprungskraft des Schöpferischen, alle Wesen verdanken ihm ihren Anfang. Und diese Kraft durchdringt den ganzen Himmel.“ Denn diese erste Eigenschaft geht auch durch die drei andern hindurch.
Der Anfang aller Dinge liegt sozusagen noch im Jenseitigen in der Form von Ideen, die erst zur Verwirklichung kommen müssen. Aber im Schöpferischen liegt auch die Kraft, diesen Urbildern der Ideen Gestalt zu verleihen. Das wird in dem Wort „Gelingen“ bezeichnet. Dieser Vorgang wird dargestellt unter einem Bild der Natur.**
„Die Wolken gehen, und der Regen wirkt, und alle einzelnen Wesen strömen in ihre Gestalt ein.“ Auf das menschliche Gebiet übertragen zeigen diese Eigenschaften dem großen Mann den Weg zu großem Erfolg: „Indem er in großer Klarheit die Ursachen und Wirkungen schaut, vollendet er zur rechten Zeit die sechs Stufen und steigt zur rechten Zeit auf ihnen wie auf sechs Drachen empor zum Himmel.“ Die sechs Stufen sind die sechs Einzelpositionen des Zeichens, die weiter unten unter dem Bild von Drachen dargestellt werden. Als Weg zum Erfolg ist hier das Erkennen und Verwirklichen des Weltsinnes bezeichnet, der als durchlaufendes Gesetz durch Ende und Anfang alle zeitlich bedingten Erscheinungen bewirkt. So wird jede erreichte Stufe zugleich die Vorbereitung für die nächste, und die Zeit ist dann kein Hemmnis mehr, sondern das Mittel der Verwirklichung des Möglichen.
Nachdem durch die beiden Eigenschaften erhaben und Gelingen der Schöpfungsakt zum Ausdruck kam, wird im Anschluß an die beiden Ausdrücke „fördernd“, d. h. wörtlich „schaffend, was das dem Wesen Entsprechende ist“, und „beharrlich“, d. h. wörtlich „recht und fest“, das Werk der Erhaltung als fortlaufend sich verwirklichende Ausgestaltung aufgezeigt. „Der Lauf des Schöpferischen verändert und gestaltet die Wesen, bis jedes seine rechte, ihm bestimmte Natur erlangt, dann bewahrt er sie in Übereinstimmung mit dem großen Gleichmaß. So zeigt er sich fördernd durch Beharrlichkeit.“
Auf das menschliche Gebiet übertragen ergibt sich hieraus, wie der große Mann durch seine ordnende Tätigkeit der Welt Frieden und Sicherheit bringt: „Indem er sich mit seinem Haupt erhebt über die Menge der Wesen, kommen alle Lande zusammen in Ruhe.“
Eine andere Spekulation geht mit der Trennung der Worte „erhaben, Gelingen, fördernd, beharrlich“ noch weiter und setzt sie in Parallele mit den vier menschlichen Kardinaltugenden: Der „Erhabenheit“, die zugleich als Grundprinzip alle andern Eigenschaften einschließt, wird die Liebe zugeordnet. Der Eigenschaft „Gelingen“ wird die Sitte zugeordnet, die die Äußerungen der Liebe ordnet, organisiert und darum erfolgreich macht. Der Eigenschaft „fördernd“ wird die Gerechtigkeit zugeordnet, die Zustände schafft, in denen jeder das seinem Wesen Entsprechende, was ihm gebührt und sein Glück ausmacht, erhält. Der Eigenschaft der „Beharrlichkeit“ wird die Weisheit zugeordnet, die die festen Gesetze alles Geschehens erkennt und darum dauernde Zustände zu schaffen vermag.
Diese Spekulationen, die schon in dem Aufsatz Wen Yen im zweiten Teil des Buchs der Wandlungen angeregt sind, haben dann die Brücke gebildet, auf der die Philosophie der fünf Wandlungsstufen (Elemente) die im Buch der Urkunden verankert ist, mit der Philosophie des Buchs der Wandlungen, die rein auf der polaren Zweiheit von positiven und negativen Prinzipien beruht, kombiniert wurde, wodurch dann im Lauf der Zeit einer immer weiter gehenden Zahlensymbolik die Tür geöffnet wurde.***

DAS BILD

象曰: 天行健 君子以自疆不息 天行健,君子以自強不息。

Des Himmels Bewegung ist kraftvoll.
So macht der Edle sich stark und unermüdlich.

潛龍勿用‧陽在下也‧
見龍再田‧德施普也‧
終日乾乾‧反復道也‧
或躍在淵‧進無咎也‧
飛龍在天‧大人造也‧
亢龍有悔‧盈不可久也‧
用九‧天德不可為首也‧

文言曰‧元者‧善之長也‧亨者‧嘉之會也‧利者‧義之和也‧貞者‧事之幹也‧
君子‧體仁足以長人‧嘉會足以合禮‧利物足以和義‧貞固足以幹事‧
君子行此四者‧故曰乾元亨利貞‧

Die Verdoppelung des Zeichens Kiën, dessen Bild der Himmel ist, deutet, da es nur einen Himmel gibt, auf die Bewegung des Himmels. Eine vollendete Kreisbewegung des Himmels ist ein Tag. Die Verdoppelung des Zeichens bedeutet, daß auf jeden Tag ein weiterer folgt. Das erzeugt die Vorstellung der Zeit und zugleich, da es derselbe Himmel ist, der sich in unermüdlicher Kraft bewegt, der kraftvollen Dauer in und über der Zeit, einer Bewegung, die nie stillsteht oder erlahmt, wie Tag um Tag einander dauernd folgen. Diese Dauer in der Zeit ist das Bild der Kraft, wie sie dem Schöpferischen zu eigen ist.
Der Weise entnimmt daraus das Vorbild dafür, wie er sich zu dauernder Wirkung zu entwickeln vermag. Er muß sich ganz einheitlich stark machen, indem er alles Niederziehende, Gemeine bewußt ausschaltet. So gewinnt er die Unermüdlichkeit, die auf geschlossenen Tätigkeitskreisen beruht.

Die einzelnen Linien

Anfangs eine Neun bedeutet:

初九:潛龍,勿用。

Verdeckter Drache, handle nicht!

初九曰‧潛龍勿用‧何謂也‧子曰‧龍德而隱者也‧不易乎世‧不成乎名‧遯世而無悶‧不見是而無悶‧樂則行之‧憂則違之‧確乎其不可拔‧潛龍也‧

潛龍勿用‧下也‧ 潛龍勿用‧陽氣潛藏‧

Der Drache hat in China eine ganz andere Bedeutung als in der westlichen Auffassung. Der Drache ist das Symbol der beweglich-elektrischen, starken, anregenden Kraft, die sich im Gewitter zeigt. Diese Kraft zieht sich im Winter in die Erde zurück, tritt im Frühsommer wieder in Wirkung und erscheint am Himmel als Blitz und Donner. Infolge davon regen sich dann auf der Erde auch die schöpferischen Kräfte wieder.

Hier ist diese schöpferische Kraft noch verdeckt unterhalb der Erde und hat daher noch keine Wirkung. Das bedeutet, auf menschliche Verhältnisse übertragen, daß ein bedeutender Mensch noch unerkannt ist. Aber er bleibt sich darum dennoch selber treu. Er läßt sich von äußerem Erfolg und Mißerfolg nicht beeinflussen, sondern wartet stark und unbekümmert seine Zeit ab.

So gilt es für den, der diesen Strich zieht, zu warten in ruhig starker Geduld. Die Zeit wird sich schon erfüllen. Man braucht nicht zu fürchten, daß ein starker Wille sich nicht durchsetzt. Doch gilt es, seine Kraft nicht voreilig auszugeben und etwas erzwingen zu wollen, das noch nicht an der Zeit ist.

Neun auf zweitem Platz bedeutet:

九二‧見龍再田‧利見大人‧

Erscheinender Drache auf dem Feld.
Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.

九二曰‧見龍在田‧利見大人‧何謂也‧子曰‧龍德而正中者也‧庸言之信‧庸行之謹‧閑邪存其誠‧善世而不伐‧德博而化‧易曰‧見龍在田‧利見大人‧君德也‧

見龍在田‧時舍也‧ 見龍在田‧天下文明‧

Hier beginnen die Wirkungen der lichten Kraft sich zu zeigen. Auf menschliche Verhältnisse übertragen bedeutet das, daß der große Mann auf dem Felde seiner Tätigkeit erscheint. Noch hat er keine herrschende Stellung, sondern ist noch unter Seinesgleichen. Aber was ihn vor andern auszeichnet, ist sein Ernst, seine unbedingte Zuverlässigkeit, der Einfluß, den er ohne bewußte Anstrengung auf seine Umgebung ausübt. Ein solcher Mensch ist dazu bestimmt, großen Einfluß zu bekommen und die Welt in Ordnung zu bringen. Darum ist es fördernd, ihn zu sehen.

Neun auf drittem Platz bedeutet:

九三‧君子終日乾乾‧夕惕若‧厲‧無咎‧

Der Edle ist den ganzen Tag schöpferisch tätig.
Des Abends noch ist er voll innerer Sorge.
Gefahr. Kein Makel.

九三曰‧君子終日乾乾‧夕惕若‧厲無咎‧何謂也‧子曰 ‧君子進德修業‧忠信‧所以進德也‧修辭立其誠‧所以居業也‧知至至之‧可與幾也‧知終終之‧可與存義也‧是故居上位而不驕‧在下位而不憂‧故乾乾因其時而惕‧雖危而無咎矣‧

終日乾乾‧行事也‧  終日乾乾‧與時偕行‧

Ein Wirkungskreis eröffnet sich für den bedeutenden Mann. Sein Ruhm beginnt sich auszubreiten. Die Massen fallen ihm zu. Seine innere Kraft ist der gesteigerten äußeren Tätigkeit gewachsen. Es gibt alle Hände voll zu tun, und selbst abends noch, da andere ruhen, drängen sich die Pläne und Sorgen. Eine Gefahr ist hier vorhanden am Platz des Überganges aus der Niedrigkeit in die Höhe. Schon mancher große Mann ging dadurch zugrunde, daß die Massen ihm zueilen und ihn mitrissen in ihre Bahnen hinein. Ehrgeiz verdarb die innere Reinheit. Aber wahre Größe wird durch Versuchungen nicht beeinträchtigt. Wenn man in Fühlung bleibt mit den Keimen der neuen Zeit und ihren Forderungen, so besitzt man genügende Vorsicht, sich vor Abwegen zu hüten, und bleibt ohne Makel.

Neun auf viertem Platz bedeutet:

九四‧或躍在淵‧無咎‧

Schwankender Aufschwung über die Tiefe.
Kein Makel.

九四‧或躍在淵‧無咎‧何謂也‧子曰‧上下無常‧非為邪也‧進退無恆‧非離群也‧君子進德修業‧欲及時也‧故無咎‧

或躍在淵‧自試也‧ 或躍在淵‧乾道乃革‧

Hier ist die Stelle des Übergangs erreicht, wo die Freiheit sich betätigen kann. Eine doppelte Möglichkeit liegt vor dem bedeutenden Mann: entweder sich aufzuschwingen und im großen Leben maßgebend zu sein oder sich zurückzuziehen und in der Stille seine Persönlichkeit auszubilden: der Weg des Helden oder des verborgenen Heiligen. Welches der richtige ist, darüber gibt es kein allgemeines Gesetz. Jeder, der in solcher Lage ist, muß nach den innersten Gesetzen seines Wesens sich frei entscheiden. Wenn er ganz wahr und folgerichtig handelt, so findet er den Weg, der ihm entspricht, und dieser Weg ist für ihn recht und ohne Makel.

Neun auf fünftem Platz bedeutet:

九五‧飛龍在天‧利見大人‧

Fliegender Drache am Himmel.
Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.

九五曰‧飛龍在天‧利見大人‧何謂也‧子曰‧同聲相應‧同氣相求‧水流濕‧火就燥‧雲從龍‧風從虎‧聖人作而萬物睹‧本乎天者親上‧本乎地者親下‧則各從其類也‧

飛龍在天‧上治也‧ 飛龍在天‧乃位乎天德‧

Hier ist der große Mann in der Sphäre der Himmlischen angelangt. Sein Einfluß erstreckt sich weithin sichtbar über die ganze Welt. Jeder, der ihn sieht, kann sich selig preisen. Kungtse sagt darüber: „Was im Ton übereinstimmt, schwingt miteinander. Was wahlverwandt ist im innersten Wesen, das sucht einander. Das Wasser fließt zum Feuchten hin, das Feuer wendet sich dem Trockenen zu. Die Wolken“ (des Himmels Atem) „folgen dem Drachen, der Wind“ (der Erde Atem) „folgt dem Tiger. So erhebt sich der Weise und alle Wesen blicken nach ihm. Was vom Himmel stammt, fühlt sich verwandt mit dem was droben ist. Was von der Erde stammt, fühlt sich verwandt mit dem, was drunten ist. Jedes folgt seiner Art.“

Oben eine Neun bedeutet:
上九‧亢龍‧有悔‧
Hochmütiger Drache wird zu bereuen haben.

上九曰‧亢龍有悔‧何謂也‧子曰‧貴而無位‧高而無民‧賢人在下位而無輔‧是以動而有悔也‧
亢龍有悔‧窮之災也‧   亢龍有悔‧與時偕極‧
Wenn man so hoch emporsteigen will, daß man die Fühlung mit den übrigen Menschen verliert, so wird man vereinsamt, und das führt notwendig zu Mißerfolg. Hier liegt eine Warnung gegen ein titanisches Emporstreben, das über die Kraft geht. Ein Sturz zur Tiefe würde die Folge sein.
Wenn lauter Neunen erscheinen, bedeutet das:
Es erscheint eine Schar von Drachen ohne Haupt. Heil!
Wenn alle Linien Neunen sind, so kommt das ganze Zeichen in Bewegung und verwandelt sich in das Zeichen Kun, das Empfangende, dessen Charakter die Hingebung ist. Die Stärke des Schöpferischen und die Milde des Empfangenden vereinen sich. Das Starke ist angedeutet durch die Schar der Drachen, das Milde durch den Umstand, daß ihre Häupter verborgen sind. Das bedeutet: Milde in der Handlungsweise verbunden mit Stärke des Entschlusses bringt Heil.

Anmerkung:
* Das Zeichen ist dem 4. Monat (Mai-Juni) zugeordnet, wenn die lichte Kraft auf ihrer Höhe steht, noch ehe die Sonnenwende den Rückgang des Jahres beginnt.
** Vgl. Genesis Kap. 2,1 ff., wo auch die Entfaltung des Einzelwesen auf das Fallen des Regens zurückgeführt wird.
*** Das Schöpferische bewirkt Anfang und Zeugung aller Wesen. Man kann es daher bezeichnen als Himmel, lichte Kraft, Vater, Herr. Es ist nun eine Frage, ob das Schöpferische im Chinesischen persönlich gedacht ist wie Zeus bei den Griechen. Die Antwort lautet, daß dieses Problem für das Chinesentum gar nicht das Wichtigste ist. Das Göttlich-Schöpferische ist sozusagen überpersönlich. Es macht sich nur fühlbar und bemerkbar durch seine übermächtige Aktivität. Wohl hat es sozusagen ein Äußeres, das ist der Himmel. Und der Himmel hat wie alles Lebende ein seelisches Selbstbewußtsein, das ist Gott (der höchste Herrscher). Allein ganz objektiv redet man von dem allen als dem Schöpferischen.

I-Ging – 易經, Das Buch der Wandlungen“, aus dem Chinesischen übertragen und erläutert von Richard Wilhelm, 1976 (1916) Eugen Diederichs Verlag ISBN 3-424-00061-2


[english]

用九‧見群龍無首‧吉‧
(The lines of this hexagram are all strong and undivided, as appears from) the use of the number NINE. If the host of dragons (thus) appearing were to divest themselves of their heads, there would be good fortune.

乾元用九‧天下治也‧

Undivided lines appear in all these representations of the great and originating power denoted by Qián:–(what follows in the Yâo tells us how) all under the sky there will be good order.

乾元用九‧乃見天則‧
Undivided NINES appear in all these representations of the great and originating power denoted by Qián:–and (from what follows in the Yâo) we see the model (of action) afforded by heaven.

乾元者‧始而亨者也‧
The ‚greatness‘ and ‚originating‘ represented by Qiánrefer to it as (the symbol of) what gives their beginning (to all things), and (also) secures their growth and development.

利貞者‧性情也‧
‚The advantageousness and the correctness and firmness‘ refer to its nature and feelings (as seen in all the resulting things).

乾始能以美利利天下‧不言所利‧大矣哉‧
Qián, (thus) originating, is able with its admirable benefits to benefit all under the sky. We are not told how its benefits are conferred; but how great is (its operation)!

大哉乾乎‧剛健中正‧純粹精也‧

How great is (what is emblemed by) Qián!–strong, vigorous, undeflected, correct, and (in all these qualities) pure, unmixed, exquisite!

六爻發揮‧旁通情也‧
The six lines, as explained (by the duke of Kâu), bring forth and display (its meaning), and everything about it is (thus) indirectly exhibited.

時乘六龍以御天也‧雲行雨施‧天下平也‧
(The great man) at the proper time drives with these six dragons through the sky. The clouds move, and the rain is distributed; all under heaven enjoys repose.

君子以成德為行‧日可見之行也‧潛之為言也‧隱而未見 ‧ 行而未成‧是以君子弗用也‧
In the superior man his conduct is (the fruit of) his perfected virtue, which might be seen therefore in his daily course; but the force of that phrase, ‚lying hid,‘ requires him to keep retired, and not yet show himself, nor proceed to the full development of his course. While this is the case, the superior man (knows that) it is not the time for active doing.

君子學以聚之‧問以辨之‧寬以居之‧仁以行之‧易曰‧ 見龍在田‧利見大人‧君德也‧

The superior man learns and accumulates the results of his learning; puts questions, and discriminates among those results; dwells magnanimously and unambitiously in what he has attained to; and carries it into practice with benevolence. What the Yî says, ‚The dragon appears in the field:–it will be advantageous to meet with the great man,‘ has reference to the virtuous qualities of a ruler (as thus described).

九三‧重剛而不中‧上不在天‧下不在田‧故乾乾因其時而惕‧雖危無咎矣‧
In the third NINE, there is a twofold symbol of) strength, but (the position) is not central. (Its occupant) is not in heaven above, nor is he in the field beneath. Therefore there must be active vigilance and cautious apprehension as the time requires; and. though (the position be) perilous, there will be no mistake.

九四‧重剛而不中‧上不在天‧下不在田‧中不在人‧故或之‧或之者‧疑之也‧故無咎‧

In the fourth NINE, there is (the symbol of) strength, but (the position) is not central. (Its occupant) is not in heaven above, nor is he in the field beneath, nor is he in the place of man intermediate. Hence he is in perplexity; and being so, he has doubts about what. should be his movements, and so will give no occasion for blame.

夫大人者‧與天地合其德‧與日月合其明‧與四時合其序‧ 與鬼神合其吉凶‧先天而天弗違‧後天而奉天時‧天且弗違‧而況於人乎‧況於鬼神乎‧

The great man is he who is in harmony, in his attributes, with heaven and earth; in his brightness, with the sun and moon; in his orderly procedure, with the four sea-sons; and in his relation to what is fortunate and what is calamitous, in harmony with the spirit-like operations (of Providence). He may precede Heaven, and Heaven will not act in opposition to him; he may follow Heaven, but will act (only) as Heaven at the time would do. If Heaven will not act in opposition to him, how much less will men! how much less will the spirit-like operation (of Providence)!

亢之為言也‧知進而不知退‧知存而不知亡‧知得而不知喪‧
The force of that phrase–‚exceeding the proper limits‘–indicates the knowing to advance but not to retire; to maintain but not to let perish to get but not to lose.

其唯聖人乎‧知進退存亡而不失其正者‧其為聖人乎‧