Psalm 104 und Hymnus des Echnaton im Textvergleich

Schöpfungsbilder – Gottesbilder

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Die Ähnlichkeit des um 1360 v. Chr. in Ägypten entstandenen Hymnus mit dem eventuell aus der nachexilischen Weisheitsschule (5. Jhd. vor Chr.) stammenden Psalm 104 scheint sich aufzudrängen. Kann der Leser also von der gleichen Bildsprache auf ein analoges Gottesbild schließen?
Der ägyptische Pharao Echnaton (Akhen-Aton = „der dem Aton dient“) hat die Sonnenscheibe (ägyptisch „Aton“) zum einzigen und höchsten göttlichen Symbol erhoben. Diese Form der Verehrung einer Gottheit wird in der Religionswissenschaft als Henotheismus bezeichnet. Im Sinne der ägyptischen Königsideologie versteht sich Echnaton selbst als den irdischen Repräsentanten der Leben-spendenden Gottheit: „Du erhebst sie (die Geschöpfe) für deinen Sohn, der aus deinem Leibe gekommen ist, den König von Ober- und Unterägypten, der von der Ordnung lebt, Echnaton, und die große königliche Gemahlin Nofretete.“

 

­Psalm 104

 Hymnus Echnatons

1 Lobe den Herrn, meine Seele!

Herr, mein Gott,wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

2 Du hüllst dich in Licht wie in ein

Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt

Schön erstrahlst du am Himmelshorizont, du lebender Aton, du Anfang des Lebens. Wenn du am östlichen Horizont aufgegangen bist, dann hast du jedes Land mit deiner Vollkommenheit erfüllt. Du bist schön und groß, licht und hoch über jedem Lande, deine Strahlen umarmen die Lande bis hin zu alledem, was du geschaffen

hast.

 

3 Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. Du nimmst dir die Wolken zum Wagen,

du fährst einher auf den Flügeln des Sturmes.

4 Du machst dir die Winde zu Boten und lodernde Feuer zu deinen Dienern.

5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.

6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen.

7 Sie wichen vor deinem Drohen zurück, sie flohen vor

der Stimme deines Donners.

8 Da erhoben sich Berge und senkten sich Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast.

9 Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten; nie wieder sollen sie die Erde bedekken.

10 Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin.

11 Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank, die Wildesel stillen ihren Durst daraus.

12 An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

Du schaffst den Nil in der Unterwelt und holst ihn herauf nach deinem Belieben, um das Ägyptervolk am Leben zu erhalten so, wie du sie geschaffen hast, du, ihrer aller Herr, der sich abmüht mit ihnen, du Herr des ganzen Landes, der du für sie aufgehst, du Aton des Tages, groß an Ansehn.

13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt.

 

Aber auch die Gebirgsländer in der Ferne, du machst, dass sie leben können, denn du hast einen Nil an den Himmel gegeben, und er steigt

für sie herab; er schafft Wasserfluten auf den Bergen wie ein Meer, ihre Felder zu befeuchten bei ihren Siedlungen. Wie wohltätig sind doch deine Pläne, du Herr der Ewigkeit!

 

14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde

15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Ge-

sicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt.

Deine Strahlen ziehen alle Pflanzen groß: Wenn du aufgehst, so leben und wachsen sie für dich. Du schufest die Jahreszeiten, um alles gedeihen zu lassen, was du geschaffen hast: den Winter, um sie zu kühlen, die Hitze, dass sie dich kosten. Du hast den Himmel fern gemacht, um an ihm aufzugehen und alles zu schauen, was du gemacht hast, du ganz allein, wobei du in deinen Wandelformen als lebendiger Aton aufgehst, erscheinend und leuchtend, fern und doch nah.

16 Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

17 In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch.

18 Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die

Felsen Zuflucht

Alles Vieh freut sich über sein Futter, Bäume und Kräuter qrünen. Die Vögel flattern in ihren Nestern, ihre Flügel erheben sich in Anbetung vor deinem Geist. Alle Lämmer hüpfen umher, die

Vögel und alles, was flattert, sie leben, denn du bist aufgegangen für sie.

19 Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht.

20 Du sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes.

 

Du schufest die Jahreszeiten, um alles gedeihen zu lassen, was du geschaffen hast: den Winter, um sie zu kühlen, die Hitze, dass sie dich kosten. Du hast den Himmel fern gemacht, um an ihm aufzugehen und alles zu schauen, was du gemacht hast, du ganz allein, wobei du in deinen Wandelformen als lebendiger Aton aufgehst, erscheinend und leuchtend, fern und doch nah

21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung.

22 Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und la-

gern sich in ihren Verstecken.

Alle Löwen sind aus ihren Höhlen gekommen, alles Gewürm beißt,….die Erde liegt in Schweigen, (denn) der sie schuf, ist in seinem Horizonte zur Ruhe gegangen.

23 Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend.

 

Die Sonnenmenschen sind erwacht und haben sich auf die Füße gestellt, du hast sie aufgerichtet. Sie waschen ihren Leib und nehmen die Kleider, ihre Arme beugen sich in Anbetung, weil du

erscheinst. Das ganze Land geht an seine Arbeit.

24 Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

 

Wie mannigfaltig sind doch deine Werke! Sie sind verborgen vor dem Gesicht (der Menschen), du einziger Gott, außer dem es keinen mehr gibt!

Du hast die Erde geschaffen nach deinem Herzen, du ganz allein, mit Menschen, Herden und allem Getier, was immer auf der Erde auf Füßen geht, was immer in der Höhe ist und mit seinen

Flügeln fliegt,

 

25 Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere. Die Fische im Strom springen vor deinem Angesicht, denn deine Strahlen dringen in die Tiefe des Meeres.
26 Dort ziehen die Schiffe dahin, auch der Leviátan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen Die Schiffe fahren stromab und auch stromauf, jeder Weg ist offen, weil du erscheinst

27 Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.

28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.

Du setzt jedermann an seine Stelle und sorgst

für seine Bedürfnisse; ein jeder hat sein Essen,

berechnet ist seine Lebenszeit

 

29 Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.

30 Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen und du erneuerst das Antlitz der Erde.

31 Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke.

32 Er blickt auf die Erde und sie erbebt; er rührt die Berge an und sie rauchen.

 

Die Welt befindet sich auf deiner Hand, wie du sie geschaffen hast. Wenn du aufgegangen bist, leben sie; gehst du unter, so sterben sie, denn du bist die Lebenszeit selbst, man lebt in dir. Die Augen schauen die Vollkommenheit, bis du untergehst. Es ruhen alle Arbeiten, wenn du untergehst zur Rechten. Wenn du wieder aufgehst, so lässt du jeden Arm sich rühren für den König, und Eile ist in jedem Bein, seit du die Erde gegründet hast

 

33 Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, will meinem Gott spielen, solange ich da bin.

34 Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am Herrn.

35 Doch die Sünder sollen von der Erde verschwinden und es sollen keine Frevler mehr da sein. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

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